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Technischer Fachbeitrag

Lenze 8200 vector Frequenzumrichter – Technische Dokumentation & Fehlerdiagnose

Der Lenze 8200 vector ist der meistverbreitete Frequenzumrichter von Lenze und zählt mit Millionen installierten Geräten weltweit zu den bekanntesten Standardantrieben in Förder-, Verpackungs- und Produktionstechnik. Diese Seite richtet sich an Servicetechniker und Instandhalter, die einen 8200 vector diagnostizieren, ein passendes Ersatzgerät zuordnen oder technische Informationen schnell griffbereit benötigen.

REHA-Industriekomponenten e.K. Lenze Frequenzumrichter Diagnose & Technik

Einordnung des Lenze 8200 vector in der Praxis

Der Lenze 8200 vector ist einer der bekanntesten Frequenzumrichter im industriellen Bestand und wurde in zahlreichen Förderanlagen, Verpackungsmaschinen und Produktionslinien eingesetzt. Genau deshalb ist die Baureihe im Servicealltag bis heute besonders relevant.

Für die Fehlersuche sind beim 8200 vector vor allem drei Punkte wichtig: die sichere Identifikation der richtigen Baugröße, die Prüfung der Steuerklemmen und die korrekte Einordnung der Displaymeldungen im LED-Keypad. Viele Störungen lassen sich bereits in einer frühen Phase eingrenzen, wenn Netzversorgung, Reglerfreigabe, Parametersatz und Motoranbindung systematisch geprüft werden.

Wer nach Lenze 8200 vector Fehlercodes, Lenze 8200 vector technische Daten oder Lenze 8200 vector Klemmenbelegung sucht, findet hier die wichtigsten Informationen in kompakter technischer Form.

Technische Kerndaten

Für die erste Einordnung werden beim 8200 vector vor allem Leistungsbereich, Spannungsbereich, Regelverfahren, Schutzart und Erweiterbarkeit über Optionsmodule benötigt. Diese Daten helfen dabei, Gerätetyp und Applikation korrekt zuzuordnen.

Technische Kerndaten des Lenze 8200 vector
Parameter Wert
Leistungsbereich0,25–90 kW
Nennspannung3 × 380–480 V AC ±10 %, 50/60 Hz
SchutzartIP20 (Standard), IP54 mit Schutzblech
RegelverfahrenU/f-Kennlinie, Vectorregelung mit oder ohne Geber, Servomode
Umgebungstemperatur0–40 °C (bis 55 °C mit Derating)
KommunikationAS-Interface, PROFIBUS, CANopen, DeviceNet über Optionsmodule
OptionsmoduleE82Z… Steckmodule für Feldbus, zusätzliche I/O und Geber

Modellübersicht und Bestellnummern-Systematik

Die Bestellnummer des 8200 vector folgt dem Schema E82EV + Leistungscode + Spannungscode + Gehäusekennung. In der Praxis ist diese Struktur wichtig, wenn über Typenschilddaten, Stücklisten oder vorhandene Dokumentation ein Ersatzgerät zugeordnet werden soll.

Die folgende Übersicht bezieht sich auf 3 × 400 V Geräte für den Schaltschrank-Einbau mit dem Suffix K4C.

Modellübersicht des Lenze 8200 vector
Bestellnummer Nennleistung
E82EV371K4C0,37 kW
E82EV551K4C0,55 kW
E82EV751K4C0,75 kW
E82EV152K4C1,5 kW
E82EV222K4C2,2 kW
E82EV302K4C3,0 kW
E82EV402K4C4,0 kW
E82EV552K4C5,5 kW
E82EV752K4C7,5 kW
E82EV113K4C11 kW
E82EV153K4C15 kW
E82EV223K4C22 kW
E82EV303K4C30 kW
E82EV453K4C45 kW
E82EV903K4C90 kW

Steuerklemmen – Klemmleiste X5

Im Servicefall gehört die Klemmenleiste X5 zu den wichtigsten Prüfbereichen. Gerade Reglerfreigabe, Analogeingänge, Digitaleingänge und Störungsrelais sind bei der Erstdiagnose häufig relevanter als das Leistungsteil selbst.

Steuerklemmen des Lenze 8200 vector
Klemme Bezeichnung Funktion / Hinweis
1GNDBezugspotential für Analogsignale
2+10 V ReferenzReferenzspannung, max. 10 mA – für Potentiometer-Sollwertgeber
3E1 – Analogeingang 1Sollwert, 0…+10 V oder 4…20 mA, per DIP-Switch umschaltbar
4E2 – Analogeingang 2Zusatzsollwert, 0…+10 V oder 4…20 mA
5GNDBezugspotential
6A1 – Analogausgang 1Istwert, z. B. Ausgangsfrequenz, 0…+10 V
7A2 – Analogausgang 2Istwert, z. B. Motorstrom, 0…+10 V
28Reglerfreigabe RFHIGH = 24 V = freigegeben, LOW = gesperrt. Impulssperre bei fehlender Freigabe.
E1–E4Digitaleingänge24-V-Pegel, frei parametrierbar, z. B. Festfrequenzen, Tippbetrieb, Drehrichtung, Reset
A1DigitalausgangOpen-Collector, parametrierbar, z. B. betriebsbereit oder Frequenz erreicht
K1 / K1C / K1AStörungsrelaisWechslerkontakt – öffnet bei Störung, Fail-Safe-Prinzip

Fehlercodes und Störungsdiagnose

Die folgende Tabelle listet die dokumentierten Fehlermeldungen des 8200 vector. Die Anzeige erscheint im 3-stelligen LED-Display des Keypad. Meldungen vom Typ Trip erfordern eine manuelle Quittierung, während Warnings nach Beseitigung der Ursache automatisch verschwinden können.

Tipp: Den Fehlerspeicher über C0168 auslesen – dort sind die letzten Störungen mit Kontext hinterlegt. Bei Meldungen mit Quittierung über Power-off muss das Gerät vollständig spannungsfrei geschaltet werden.
Fehlercodes des Lenze 8200 vector
Code Beschreibung Ursache Abhilfe
noerKeine Störung--
ccrSystemstörungStarke Störeinkopplungen auf Steuerleitungen; Masse- oder Erdschleifen in der VerdrahtungSteuerleitungen abgeschirmt verlegen
ce0Kommunikationsfehler an AIFÜbertragung von Steuerbefehlen über AIF ist gestörtKommunikationsmodul fest in das Handterminal stecken
ce1Kommunikationsfehler an CAN-IN1 bei Sync-SteuerungCAN-IN1 empfängt fehlerhafte Daten oder Kommunikation ist unterbrochenSteckverbindung Busmodul/FIF prüfen; Sender überprüfen; ggf. Überwachungszeit erhöhen
ce2Kommunikationsfehler an CAN-IN2CAN-IN2 empfängt fehlerhafte Daten oder Kommunikation ist unterbrochenSteckverbindung Busmodul/FIF prüfen; Sender überprüfen; ggf. Überwachungszeit erhöhen
ce3Kommunikationsfehler an CAN-IN1 bei Ereignis-/ZeitsteuerungCAN-IN1 empfängt fehlerhafte Daten oder Kommunikation ist unterbrochenSteckverbindung Busmodul/FIF prüfen; Sender überprüfen; ggf. Überwachungszeit erhöhen
ce4BUS-OFFZu viele fehlerhafte Telegramme auf dem SystembusBusabschluss prüfen; Schirmauflage prüfen; PE-Anbindung prüfen; Busbelastung prüfen; ggf. Baudrate reduzieren
ce5CAN Time-OutVerdrahtung des Systembus oder Systembus-Konfiguration fehlerhaftVerdrahtung und Systembus-Konfiguration prüfen
ce6Funktionsmodul Systembus Warnung oder BUS-OFFInterner Fehler; CAN-Controller meldet Warnung oder BUS-OFFGerätezustand und Feldbusumgebung prüfen
ce7Kommunikationsfehler bei Fernparametrierung über SystembusTeilnehmer antwortet nicht oder ist nicht vorhandenBusabschluss, Schirmauflage, PE-Anbindung und Busbelastung prüfen
EErExterne Störung TRIP-SETEin mit TRIP-Set belegtes digitales Signal ist aktiviertExternen Geber bzw. Signalquelle überprüfen
ErP0–ErP19Kommunikationsabbruch zwischen Keypad und GrundgerätVerschiedene UrsachenVerbindung und Gerät prüfen
FAn1LüfterstörungLüfter defekt oder nicht angeschlossenLüfter tauschen oder anschließen; Verdrahtung prüfen
H05Interne StörungInterner FehlerGerät prüfen
id1Fehlerhafte Parameter-IdentifizierungMotor nicht angeschlossenMotor anschließen
LP1Fehler in MotorphaseAusfall einer oder mehrerer Motorphasen; zu geringer MotorstromMotorzuleitungen prüfen; Umin-Anhebung prüfen; Motorleistung bzw. C0599 anpassen
LUZwischenkreis-UnterspannungNetzspannung oder DC-Verbundspannung zu niedrigNetzspannung und Versorgungsmodul prüfen; richtige Netzspannung verwenden
OC1KurzschlussKurzschluss in Motorleitung oder Wicklung; Bremswiderstand defekt; Ladestrom der Motorleitung zu hochKurzschlussursache suchen; Motorleitung und Bremswiderstand prüfen; kürzere oder kapazitätsärmere Motorleitung verwenden
OC2ErdschlussEine Motorphase hat Erdkontakt; kapazitiver Ladestrom der Motorleitung zu hochMotor und Motorleitung prüfen; kürzere oder kapazitätsärmere Leitung verwenden
OC3Überlast Antriebsregler im Hochlauf oder KurzschlussZu kurz eingestellte Hochlaufzeit; defekte Motorleitung; Windungsschluss im MotorHochlaufzeit verlängern; Antriebsauslegung prüfen; Verdrahtung und Motor prüfen
OC4Überlast Antriebsregler im AblaufZu kurz eingestellte AblaufzeitAblaufzeit verlängern; Auslegung des externen Bremswiderstandes prüfen
OC5Überlast Antriebsregler im stationären BetriebHäufige und zu lange ÜberlastAntriebsauslegung prüfen
OC6Überlast Motor I²×tMotor thermisch überlastetAntriebsauslegung prüfen; Einstellung von C0120 prüfen
OHKühlkörpertemperatur > +85 °CUmgebungstemperatur zu hochAntriebsregler abkühlen lassen und für bessere Belüftung sorgen
OHKühlkörpertemperatur > +80 °C WarnungKühlkörper stark verschmutzt oder unzulässig hohe StrömeKühlkörper reinigen; Antriebsauslegung und Last prüfen
OH3PTC-Überwachung TRIPMotor zu warm oder kein PTC angeschlossenAntriebsauslegung prüfen; PTC anschließen oder Überwachung abschalten
OH4Übertemperatur AntriebsreglerInnenraum des Antriebsreglers zu warmBelastung senken; Kühlung verbessern; Lüfter prüfen; Antriebsauslegung prüfen
OH51PTC-ÜberwachungMotor zu warm oder kein PTC angeschlossenAntriebsauslegung prüfen; PTC anschließen oder Überwachung abschalten
OUZwischenkreis-ÜberspannungNetzspannung zu hoch; Bremsbetrieb; schleichender Erdschluss auf MotorseiteVersorgungsspannung kontrollieren; Ablaufzeiten verlängern; Bremswiderstand prüfen; Motor und Leitung auf Erdschluss prüfen
OUEZwischenkreis-Überspannung externSchleichender Erdschluss auf der MotorseiteMotorzuleitung und Motor auf Erdschluss prüfen
PrParameter-Übertragung mit dem Keypad fehlerhaftAlle Parametersätze sind defektDatentransfer wiederholen oder Lenze-Einstellung laden
Pr1PAR1 falsch übertragenParametersatz 1 ist defektDatentransfer wiederholen oder Lenze-Einstellung laden
Pr2PAR2 falsch übertragenParametersatz 2 ist defektDatentransfer wiederholen oder Lenze-Einstellung laden
Pr3PAR3 falsch übertragenParametersatz 3 ist defektDatentransfer wiederholen oder Lenze-Einstellung laden
Pr4PAR4 falsch übertragenParametersatz 4 ist defektDatentransfer wiederholen oder Lenze-Einstellung laden
Pr5Interne Störung EEPROMEEPROM defektGerät prüfen
Pt5Zeitfehler bei Parametersatz-TransferDatenfluss vom Keypad oder PC unterbrochenDatentransfer wiederholen oder Lenze-Einstellung laden
rStFehler bei Auto-TRIP-ResetMehr als 8 Fehlermeldungen in 10 MinutenAbhängig von der zugrunde liegenden Fehlermeldung
sd5Drahtbruch Analogeingang 1Strom am Analogeingang kleiner 4 mA bei Sollwertbereich 4...20 mAStromkreis am Analogeingang schließen
sd7Drahtbruch Analogeingang 2Strom am Analogeingang kleiner 4 mA bei Sollwertbereich 4...20 mAStromkreis am Analogeingang schließen

Ersatzteile und typische Verschleißthemen

Typische Verschleißteile beim 8200 vector sind Lüfter, insbesondere ab 3 kW aufwärts, Zwischenkreiskondensatoren mit altersbedingtem Kapazitätsverlust sowie bei wiederkehrenden Pr-Fehlern auch EEPROM-bezogene Baugruppen. Gerade bei älteren Geräten sollte deshalb immer zwischen Peripheriefehler, Parameterthema und echter Gerätestörung unterschieden werden.

Vor dem Austausch sollte der vorhandene Parametersatz unbedingt über das Keypad gesichert werden. Das verkürzt die Wiederinbetriebnahme und erleichtert die Übernahme anlagenspezifischer Einstellungen.

Shop & Anfrage

Lenze 8200 vector Geräte und Ersatzteile

Nach der technischen Einordnung ist der direkte Weg zum passenden Ersatzgerät, zu kompatiblen Ersatzteilen oder zur gezielten Produktanfrage meist der sinnvollste nächste Schritt.

FAQ zum Lenze 8200 vector

Welche Fehlercodes treten beim Lenze 8200 vector besonders häufig auf?

In der Praxis treten besonders häufig Unter- und Überspannungsmeldungen wie LU und OU, Überstromfehler OC1 bis OC6, Temperaturmeldungen OH und OH3 sowie Parameterfehler wie Pr oder Pt5 auf.

Wofür wird der Lenze 8200 vector typischerweise eingesetzt?

Der 8200 vector ist besonders verbreitet in Förderanlagen, Verpackungsmaschinen und allgemeiner Produktionstechnik. Wegen seiner großen Installationsbasis ist er bis heute häufig in Bestandsanlagen anzutreffen.

Welche Steuerklemmen sind bei der Fehlersuche besonders wichtig?

Besonders relevant sind Reglerfreigabe, Analogeingänge, Digitaleingänge und das Störungsrelais an X5. Viele Fehlerursachen liegen nicht im Leistungsteil, sondern an Freigaben, Sollwerten oder externen Steuersignalen.

Was sollte vor dem Austausch eines 8200 vector gesichert werden?

Vor dem Austausch sollte immer der Parametersatz über das Keypad kopiert oder gesichert werden. So lassen sich anlagenspezifische Einstellungen schneller auf ein Ersatzgerät übertragen.

Haftungsausschluss und Sicherheitshinweis

Die Informationen auf dieser Seite wurden mit größter Sorgfalt zusammengestellt und basieren auf langjähriger Praxiserfahrung mit Lenze-Frequenzumrichtern. Sie ersetzen jedoch nicht die offizielle Lenze-Dokumentation und dienen ausschließlich als Orientierungshilfe für qualifiziertes Fachpersonal.

Arbeiten an Frequenzumrichtern dürfen nur von Elektrofachkräften gemäß DIN VDE 0105-100 durchgeführt werden. Lebensgefahr durch Restspannung im DC-Zwischenkreis: Nach dem Abschalten mindestens 10 Minuten warten beziehungsweise die vom Hersteller angegebene Wartezeit einhalten.

REHA-Industriekomponenten übernimmt keine Haftung für Schäden, die aus der Anwendung dieser Informationen entstehen. Lenze ist eine eingetragene Marke der Lenze SE.

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