REHA-Industriekomponenten Produktinformationen

Allgemeine Sicherheitshinweise für Servoregler und elektrische Antriebssysteme

Zusätzliche herstellerübergreifende Sicherheitsinformation für gewerbliche Betreiber und qualifiziertes Fachpersonal

Keine Anschluss-, Verdrahtungs-, Montage-, Parametrierungs-, Prüf-, Reparatur- oder Inbetriebnahmeanleitung

Redaktioneller Stand: 27. August 2026

1. Zweck und Grenzen dieser Information

Diese Seite soll auf wiederkehrende Gefahren bei industriellen Servoreglern und elektrischen Antriebssystemen hinweisen und qualifiziertes Fachpersonal für notwendige Klärungs- und Prüfpunkte sensibilisieren.

Der Begriff „Antriebssystem“ kann abhängig von der jeweiligen Ausführung unter anderem folgende Komponenten umfassen:

Nicht jeder Abschnitt dieser Seite trifft auf jedes Produkt zu. Umgekehrt können bei einem konkreten System weitere Gefahren bestehen, die hier nicht genannt werden.

Die gemeinsame Nennung verschiedener Komponenten bedeutet ausdrücklich nicht, dass diese miteinander kompatibel oder gemeinsam verwendbar sind.

Diese Seite berücksichtigt insbesondere nicht:

Aus dieser Seite dürfen insbesondere keine Klemmenbelegungen, Leitungszuordnungen, Leiterquerschnitte, Sicherungswerte, Zwischenkreiskonfigurationen, Geberanschlüsse, Bremsenschaltungen, Entladezeiten, Parametereinstellungen, Motordaten, Kommutierungswerte, Sicherheitskennwerte oder Aussagen zur Austauschbarkeit abgeleitet werden.

2. Maßgebliche Unterlagen und eindeutige Systemidentifikation

Vor Anschluss, Austausch oder Bearbeitung einer Antriebskomponente muss die vollständige Ausführung eindeutig bestimmt werden.

Abhängig vom System gehören hierzu insbesondere:

Zusätzlich müssen die für die konkrete Ausführung geltenden Unterlagen vorliegen, beispielsweise:

Unterlagen einer äußerlich ähnlichen Komponente, einer anderen Leistungsklasse, einer früheren Gerätegeneration oder eines abweichenden Firmwarestands dürfen nicht ungeprüft verwendet werden.

Eine identische Gehäuseform, passende Steckverbindung oder ähnliche Typenbezeichnung ist kein Nachweis für elektrische, funktionale oder sicherheitstechnische Kompatibilität.

Kann die konkrete Ausführung nicht eindeutig bestimmt werden, muss die Klärung vor Beginn der Arbeiten durch den Hersteller, einen geeigneten Fachbetrieb oder eine für das konkrete System ausreichend qualifizierte Fachperson erfolgen.

3. Arbeiten ausschließlich durch qualifiziertes und autorisiertes Fachpersonal

Anschluss, Änderung, Parametrierung, Prüfung, Inbetriebnahme, Fehlersuche, Wartung und Reparatur dürfen nur durch Personen erfolgen, die für die konkrete Tätigkeit ausreichend qualifiziert, vom Betreiber dazu autorisiert und mit elektrischer Antriebstechnik sowie der betreffenden Maschine vertraut sind.

Die erforderliche Qualifikation richtet sich nicht allein nach einer Berufsbezeichnung. Die ausführende Person muss aufgrund ihrer Ausbildung, Kenntnisse und praktischen Erfahrung insbesondere in der Lage sein,

Für gewerblich verwendete Arbeitsmittel ist der Arbeitgeber beziehungsweise Betreiber für Gefährdungsbeurteilung, Arbeitsplanung, Auswahl geeigneter Personen, Schutzmaßnahmen, Unterweisung, Prüfung und sicheren Betrieb verantwortlich. Eine vorhandene CE-Kennzeichnung ersetzt die betriebliche Gefährdungsbeurteilung nicht. Die Betriebssicherheitsverordnung verlangt außerdem, vorhersehbare Störungen, gespeicherte Energien und Gefährdungen durch Ingangsetzen und Stillsetzen zu berücksichtigen.

Diese Seite ist nicht zur Unterweisung von Laien bestimmt und ersetzt keine fachliche Ausbildung, keine betriebliche Unterweisung, keine Betriebsanweisung und keine anlagenbezogene Gefährdungsbeurteilung.

4. Das gesamte Antriebssystem betrachten

Ein Servoregler darf nicht isoliert als einzelnes elektrisches Bauteil betrachtet werden. Sein Verhalten wird durch weitere Systemkomponenten und die angeschlossene Maschine beeinflusst.

Zu berücksichtigen sind insbesondere:

In Mehrachssystemen können mehrere Regler einen gemeinsamen Zwischenkreis verwenden. Das Abschalten oder Entfernen einer einzelnen Versorgung oder Achse bedeutet daher nicht automatisch, dass sämtliche zugehörigen Komponenten spannungsfrei sind.

Auch ein scheinbar abgeschaltetes Achsmodul kann über einen gemeinsamen Zwischenkreis, eine externe Hilfsspannung, eine Rückspeiseeinrichtung oder andere angeschlossene Systemkomponenten mit Energie versorgt werden.

Die sicheren Abschalt- und Freischaltgrenzen müssen anhand der konkreten Systemtopologie und Herstellerdokumentation ermittelt werden.

5. Gefährliche Spannungen und gespeicherte Energie

Servoregler und Antriebssysteme können nach dem Trennen der Netzversorgung weiterhin gefährliche Spannungen führen. Zwischenkreiskondensatoren, externe Kondensatormodule, Rückspeiseeinheiten und angeschlossene Achsmodule können elektrische Energie speichern oder innerhalb eines Verbunds übertragen.

Die erforderliche Entladezeit ist geräte- und systemabhängig.

Auf dieser Seite wird bewusst keine allgemeine Wartezeit genannt.

Es darf weder von einer bestimmten Mindestwartezeit noch von Erfahrungswerten mit einem anderen Gerät auf die Spannungsfreiheit des konkreten Systems geschlossen werden.

Das Erlöschen einer Anzeige, eines Displays, einer Status-LED oder eines Lüfters ist kein ausreichender Nachweis der Spannungsfreiheit.

Nach Ablauf der vom Hersteller vorgeschriebenen Entladezeit muss die Spannungsfreiheit durch eine hierfür qualifizierte Person mit einem für das konkrete System geeigneten Verfahren festgestellt werden.

Offizielle Herstellerunterlagen zeigen, dass sich Entladezeiten selbst innerhalb einer einzigen Servoregler-Baureihe erheblich unterscheiden können und eine anschließende Spannungsmessung erforderlich sein kann.

Mögliche gefährliche Energiequellen sind unter anderem:

Diese Seite enthält keine Freigabe und keine Arbeitsgrundlage für Arbeiten unter Spannung.

6. Freischalten und gegen Wiedereinschalten sowie Bewegung sichern

Vor Arbeiten am Antriebssystem müssen alle für die konkrete Maschine erforderlichen Maßnahmen zum Freischalten und Sichern anhand der Herstellerunterlagen, der Anlagendokumentation und der betrieblichen Arbeitsanweisung festgelegt werden.

Dabei sind nicht nur elektrische Spannungsquellen zu berücksichtigen. Abhängig von der Anlage können auch folgende Einwirkungen eine Gefährdung verursachen:

Es muss verhindert werden, dass während der Arbeiten eine Achse unerwartet bestromt, freigegeben, bewegt oder durch äußere Kräfte angetrieben wird.

Vertikale Achsen, hängende Lasten und schwerkraftbelastete Mechaniken müssen entsprechend dem Sicherheitskonzept der konkreten Maschine gegen Absinken oder Absturz gesichert werden.

Eine Motorhaltebremse, eine aktive Sicherheitsfunktion oder die Softwareanzeige „Achse aus“ genügt nicht automatisch als alleinige Sicherungsmaßnahme.

7. Zuordnung von Regler, Motor, Geber, Bremse und Leitungen

Ein Servoantrieb ist ein abgestimmtes Regelungssystem. Regler, Motor, Geber, Motorleitung, Geberleitung, Bremse, Temperaturüberwachung, Firmware und Parametrierung müssen zusammenpassen.

Vor der Verwendung muss anhand der Herstellerdokumentation geprüft werden, ob die konkrete Kombination freigegeben und technisch geeignet ist.

Zu den zu prüfenden Merkmalen können unter anderem gehören:

Ein mechanisch passender Stecker beweist nicht, dass Pinbelegung, Signalspannung, Geberprotokoll oder Bremsenansteuerung kompatibel sind.

Motor- und Geberleitungen verschiedener Systeme dürfen nicht allein aufgrund passender Steckverbinder vertauscht oder kombiniert werden.

Eine falsche Zuordnung von Motorphasen, Geberrichtung, Geberauflösung, Polpaarzahl oder Kommutierungsposition kann zu unerwarteter Bewegungsrichtung, unkontrollierter Beschleunigung, Überdrehzahl, hohen Drehmomenten oder Schäden am Antrieb führen.

Herstellerunterlagen weisen ausdrücklich darauf hin, dass bei der Erstinbetriebnahme fremder Motoren sowie bei fehlerhafter Motor-, Geber- oder Kommutierungszuordnung unkontrollierte Bewegungen auftreten können.

Ohne eindeutig nachgewiesene Systemzuordnung keine Achsfreigabe erteilen.

8. Parametrierung, Motordaten, Firmware und gespeicherte Konfigurationen

Die Parametrierung eines Servoreglers beeinflusst unmittelbar Kraft, Drehmoment, Geschwindigkeit, Richtung, Bremsenansteuerung, Grenzwerte, Geberauswertung und Sicherheitsverhalten.

Parameter dürfen nicht ungeprüft aus einem ähnlichen Gerät, einer anderen Achse oder einer früheren Maschinenkonfiguration übernommen werden.

Besondere Vorsicht ist unter anderem erforderlich bei:

Ein erfolgreicher Import oder eine fehlerfreie Softwaremeldung bestätigt nicht, dass die Konfiguration für die vorhandene Achse richtig oder sicher ist.

Ein Parametersatz kann auf eine andere Motor-, Geber-, Bremsen-, Maschinen- oder Safety-Ausführung abgestimmt sein.

Auch das Zurücksetzen auf Werkseinstellungen stellt keinen nachgewiesen sicheren Anlagenzustand her. Nach einem Reset können erforderliche Schutz-, Grenzwert-, Bremsen- oder Sicherheitsparameter fehlen.

Software- und Firmwareänderungen dürfen nur nach der dafür vorgesehenen Herstellerprozedur sowie unter Berücksichtigung ihrer Auswirkungen auf Maschine, Parametrierung und funktionale Sicherheit durchgeführt werden.

9. Erstinbetriebnahme, Identifikation und Testfunktionen

Bestimmte Inbetriebnahme-, Identifikations-, Geber-, Kommutierungs-, Bremsen- und Optimierungsfunktionen können den Motor oder die Achse aktiv bewegen.

Dies kann auch dann gelten, wenn eine Funktion nur als:

bezeichnet wird.

Eine Testfunktion ist nicht automatisch bewegungsfrei oder ungefährlich.

Vor ihrer Ausführung muss anhand der konkreten Herstellerdokumentation festgestellt werden,

Hersteller weisen bei bestimmten Kommutierungs- und Inbetriebnahmefunktionen ausdrücklich auf aktive Motorbewegungen und das Risiko unkontrollierter Bewegungen hin.

Eine niedrige Sollgeschwindigkeit, ein reduzierter Stromwert oder Handbetrieb beseitigt die Gefährdung nicht. Auch geringe Bewegungen können bei ungünstiger Mechanik, hoher Übersetzung, vertikalen Lasten oder eingeengten Arbeitsbereichen schwere Verletzungen verursachen.

Während einer solchen Prüfung dürfen sich keine Personen im nicht ausreichend gesicherten Gefahrenbereich befinden.

10. Permanentmagneterregte Motoren und fremdangetriebene Achsen

Permanentmagneterregte Servo- und Linearmotoren können bei Bewegung elektrische Spannung erzeugen.

Dies kann auch dann geschehen, wenn:

An offenen Motoranschlüssen oder innerhalb des Antriebssystems können dadurch gefährliche Spannungen entstehen.

Siemens weist beispielsweise darauf hin, dass bei einem rotierenden Permanentmagnetmotor gefährliche Spannungen an Motorleitungen induziert werden können.

Vor Arbeiten müssen deshalb mögliche Bewegungen und Rückspeisungen verhindert beziehungsweise entsprechend der Hersteller- und Anlagendokumentation sicher beherrscht werden.

Das bloße Abschalten des Servoreglers verhindert nicht zwangsläufig eine durch externe Kräfte verursachte Bewegung oder Spannungserzeugung.

Für Linear- und Direktantriebe können zusätzlich starke magnetische Kräfte und besondere Montage-, Transport- und Handhabungsgefahren bestehen. Hierfür ist die konkrete Motorherstellerdokumentation maßgeblich.

11. Motorhaltebremsen und vertikale Achsen

Eine am Servomotor angebaute Bremse ist häufig als Haltebremse ausgeführt. Eine Haltebremse ist nicht automatisch eine Betriebsbremse, Notfallbremse, Sicherheitsbremse oder für den Personenschutz geeignete Bremse.

Ob und unter welchen Bedingungen eine Bremse zum dynamischen Abbremsen, für Notfälle oder als Bestandteil einer Sicherheitsfunktion verwendet werden darf, ergibt sich ausschließlich aus der Dokumentation und Sicherheitsbewertung der konkreten Bremse, des Motors und der Maschine.

Hersteller weisen darauf hin, dass Motorhaltebremsen häufig nicht für reguläre Betriebsbremsungen vorgesehen sind und allein insbesondere bei vertikalen Achsen keine ausreichende Personenschutzmaßnahme darstellen.

Die Bremse kann abhängig von System und Parametrierung automatisch geöffnet werden, beispielsweise durch:

Bei falschen Ein- oder Ausschaltzeiten kann eine Achse gegen eine noch geschlossene Bremse arbeiten oder nach Abschalten des Motordrehmoments absinken. Eine manuelle oder softwareseitige Bremsenlüftung kann bei einer belasteten Achse zum unmittelbaren Absturz oder Absinken führen.

Vor Arbeiten an schwerkraftbelasteten oder vertikalen Achsen muss die Last unabhängig von einer nicht nachgewiesen sicheren Motorhaltebremse entsprechend dem Maschinen- und Sicherheitskonzept mechanisch oder durch dafür vorgesehene Einrichtungen gesichert sein.

Für jede Bremse müssen unter anderem geprüft werden:

Diese Seite legt keine zulässige Bremsenanwendung und keine Prüfmethodik fest.

12. STO und weitere funktionale Sicherheitsfunktionen

Bezeichnungen wie STO, SS1, SS2, SOS, SLS, SBC oder SBT beschreiben mögliche Sicherheitsfunktionen eines Antriebssystems. Das Vorhandensein einer solchen Bezeichnung oder eines entsprechenden Anschlusses bestätigt nicht, dass die Funktion in der konkreten Maschine richtig projektiert, angeschlossen, parametriert oder validiert wurde.

Safe Torque Off beziehungsweise STO ist keine elektrische Netztrennung.

Auch bei aktivem STO können insbesondere an Netzanschlüssen, Zwischenkreis, Motorleitungen, Hilfsspannungen oder weiteren Systemkomponenten gefährliche Spannungen vorhanden sein.

STO führt außerdem nicht zwangsläufig zu einem aktiv geregelten Abbremsen. Ein Motor kann auslaufen oder durch Schwerkraft, eine Last oder andere mechanische Einwirkungen weiterbewegt werden. Siemens beschreibt STO ausdrücklich als Funktion, bei der der Antrieb nicht automatisch bremst.

Für schwerkraftbelastete Achsen kann deshalb neben der Drehmomentabschaltung eine geeignete mechanische Sicherung, Bremsenfunktion oder andere anlagenbezogene Maßnahme erforderlich sein.

Die Wirksamkeit einer Sicherheitsfunktion hängt unter anderem ab von:

Eine Statusanzeige, ein Safety-Symbol oder die Meldung „STO aktiv“ ist für sich allein kein Nachweis, dass die Maschine insgesamt einen sicheren Zustand erreicht hat.

Nach Austausch, Reparatur, Firmwareänderung, Parameteränderung oder Änderung der Sicherheitskonfiguration muss beurteilt werden, welche erneute Prüfung und Validierung erforderlich ist.

Elektronische Antriebskomponenten sind nicht ausnahmslos fehlersicher. Der sichere Zustand der angeschlossenen Maschine muss durch das vollständige Sicherheitskonzept gewährleistet werden.

13. Mehrachssysteme, gekoppelte Achsen und gemeinsame Zwischenkreise

In Mehrachssystemen kann eine einzelne Achse nicht unabhängig vom restlichen System bewertet werden.

Mögliche Abhängigkeiten bestehen beispielsweise durch:

Ein Fehler, Spannungsausfall oder Abschaltbefehl kann bei verschiedenen Achsen unterschiedliche Reaktionen auslösen. Einzelne Achsen können auslaufen, absinken oder durch andere Achsen mitbewegt werden.

Herstellerunterlagen weisen bei Mehrachssystemen darauf hin, dass bei Netzausfall unkontrollierte Bewegungen auftreten können und vertikale Achsen dabei besonders kritisch sind.

Das Abschalten einer Achse darf daher nicht ohne Prüfung des gesamten Maschinenverhaltens erfolgen.

Der sichere Zustand und das zulässige Verhalten bei Fehler, Not-Halt, Energieausfall oder Kommunikationsstörung müssen für die vollständige Maschine festgelegt und nachgewiesen werden.

14. Bremsenergie, Rückspeisung und heiße Oberflächen

Beim Abbremsen oder Absenken von Lasten kann ein Servomotor generatorisch arbeiten. Die dabei entstehende Energie kann abhängig vom System:

werden.

Bremsmodule, Bremswiderstände, Kühlkörper und weitere Leistungskomponenten können während und nach dem Betrieb sehr hohe Temperaturen erreichen.

Die Auswahl, Dimensionierung, Montage, Kühlung, Absicherung und Überwachung dieser Komponenten muss anhand der konkreten Herstellerunterlagen und des realen Lastzyklus erfolgen.

Eine erfolgreiche kurze Probefahrt bestätigt nicht, dass Bremsenergie, thermische Belastung oder Rückspeiseleistung im Dauerbetrieb sicher beherrscht werden.

Hersteller warnen sowohl vor gefährlicher Zwischenkreisspannung als auch vor erheblich erhitzten Bremswiderständen.

Vor Berührung oder Arbeiten muss entsprechend der Herstellerdokumentation geprüft werden, dass keine gefährliche Spannung und keine gefährliche Oberflächentemperatur mehr besteht.

15. Isolations-, Hochspannungs- und Messprüfungen

Isolations-, Hochspannungs- oder Durchschlagsprüfungen können Servoregler, Geber, Motoren, Sicherheitsmodule und weitere elektronische Komponenten beschädigen oder gefährliche Zustände verursachen, wenn sie ohne Beachtung der gerätespezifischen Herstelleranweisungen durchgeführt werden.

Motor, Motorleitung, Geberleitung, Bremse und Servoregler dürfen nicht ungeprüft als angeschlossenes Gesamtsystem einer solchen Prüfung unterzogen werden.

Vor jeder Prüfung muss anhand der konkreten Herstellerdokumentation geklärt werden:

Diese Seite nennt bewusst keine Prüfspannung, keinen Grenzwert und kein Messverfahren.

Auch scheinbar spannungsfreie Geber-, Sensor- oder Steueranschlüsse können empfindliche Elektronik enthalten. Prüfgeräte und Messverfahren müssen für die konkrete Komponente geeignet sein.

Bei Arbeiten an Elektronikbaugruppen müssen zusätzlich die Herstellerhinweise zum Schutz vor elektrostatischer Entladung berücksichtigt werden.

16. Gebrauchte, instandgesetzte oder lange gelagerte Komponenten

Bei gebrauchten, instandgesetzten, veränderten oder lange gelagerten Servoreglern und Antriebskomponenten können zusätzliche Prüfungen und herstellerspezifische Maßnahmen erforderlich sein.

Zu berücksichtigen sind unter anderem:

Vor dem Einschalten kann abhängig von Hersteller, Baureihe, Lagerzeit und Lagerbedingungen eine besondere Vorgehensweise erforderlich sein. Dazu kann bei bestimmten Geräten beispielsweise eine herstellerseitig beschriebene Behandlung der Zwischenkreiskondensatoren gehören.

Es gibt keine auf alle Servoregler und Antriebssysteme übertragbare allgemeine Lagerfrist oder universelle Wiederinbetriebnahmeprozedur.

Ein gebrauchter Servoregler darf nicht allein deshalb als passend oder sicher angesehen werden, weil er mechanisch eingebaut werden kann oder dieselben Hauptanschlüsse besitzt.

Eine im Angebot angegebene Sichtprüfung ist keine:

Der im konkreten Angebot oder Vertrag genannte Zustand und Prüfumfang bleibt maßgeblich.

17. Austausch und Änderung bestehender Antriebssysteme

Beim Austausch einer Antriebskomponente muss geprüft werden, ob das Ersatzteil hinsichtlich aller relevanten Merkmale der ursprünglichen Ausführung entspricht und für die konkrete Maschine geeignet ist.

Dabei können neben der Grundtypbezeichnung insbesondere relevant sein:

Auch ein vermeintlich baugleiches Gerät kann sich in sicherheitsrelevanten Eigenschaften unterscheiden.

Nach Austausch oder Änderung muss durch die verantwortliche Fachperson beurteilt werden, welche erneute Parametrierung, Prüfung, Validierung, Dokumentation oder Abnahme erforderlich ist.

Bei Änderungen an Arbeitsmitteln ist nach der Betriebssicherheitsverordnung außerdem zu beurteilen, ob eine prüfpflichtige Änderung vorliegt und ob weitere Herstellerpflichten zu beachten sind.

Das bloße Wiederherstellen einer gespeicherten Konfiguration beweist nicht, dass die ausgetauschte Komponente richtig zugeordnet wurde und die Maschine wieder sicher betrieben werden kann.

18. Prüfung vor Freigabe und Inbetriebnahme

Vor der ersten Verwendung, nach einem Austausch, nach einer Reparatur sowie nach sicherheitsrelevanten Änderungen müssen Art und Umfang der notwendigen Prüfungen durch die dafür qualifizierten und beauftragten Personen festgelegt werden.

Dabei sind die Herstellerunterlagen, die Gefährdungsbeurteilung, das Sicherheitskonzept, die Maschinenmechanik und die vorgenommenen Änderungen zu berücksichtigen.

Abhängig vom System kann unter anderem zu klären und nachzuweisen sein:

Diese Aufzählung ist ausdrücklich nicht vollständig und keine universelle Inbetriebnahme-Checkliste.

Das Abarbeiten der genannten Punkte bestätigt für sich allein weder die Sicherheit noch die Betriebsbereitschaft einer konkreten Maschine.

Eine Achse darf erst freigegeben werden, wenn die verantwortlichen Personen alle für die konkrete Anwendung erforderlichen Prüfungen abgeschlossen, bewertet und dokumentiert haben.

19. Arbeiten sofort unterbrechen, wenn Unklarheiten bestehen

Keine weiteren Anschluss-, Parametrierungs-, Prüf- oder Inbetriebnahmearbeiten durchführen, wenn insbesondere einer der folgenden Punkte vorliegt:

In diesen Fällen muss das System gegen weitere Verwendung gesichert werden.

Die weitere Vorgehensweise ist durch den Hersteller, den Maschinenhersteller, einen geeigneten Fachbetrieb oder eine für das konkrete System ausreichend qualifizierte Fachperson zu klären.

20. Bedeutung dieser Seite für Angebote von REHA-Industriekomponenten

Diese Informationsseite ergänzt allgemeine Produktsicherheitsangaben. Sie ist keine Herstellerdokumentation und kein Bestandteil einer anlagenbezogenen Planung oder Sicherheitsbewertung.

Durch die Bereitstellung dieser Seite übernimmt REHA-Industriekomponenten e.K. insbesondere keine:

Eine Auskunft zur Produktidentifikation, Verfügbarkeit oder zum Verkaufszustand ersetzt keine technische Planung, keine Kompatibilitätsprüfung und keine sicherheitsbezogene Freigabe.

Für Lieferumfang, Zustand, Prüfstatus und gegebenenfalls ausdrücklich zugesagte Funktionen gelten die Angaben im konkreten Angebot, im Vertrag und in den einbezogenen Geschäftsbedingungen.

Die Seite verändert oder beschränkt keine ausdrücklich im konkreten Vertrag übernommenen Verpflichtungen.

Gesetzlich zwingende Rechte, Pflichten und Haftungsregelungen bleiben unberührt.

21. Offizielle Quellen und weiterführende Grundlagen

Diese Seite fasst wiederkehrende allgemeine Sicherheitsgrundsätze zusammen. Für jede konkrete Arbeit bleiben die geräte-, motor-, anlagen- und sicherheitsspezifischen Herstellerunterlagen maßgeblich.

Arbeitsschutz und elektrische Sicherheit in Deutschland

Beispiele offizieller Herstellerinformationen

Die folgenden Herstellerinformationen dienen als Beispiele dafür, dass Gefahren, Entladezeiten, Bremseneigenschaften, Kommutierung, Parametrierung und Sicherheitsfunktionen geräte- und systemabhängig sind. Konkrete Angaben aus diesen Unterlagen dürfen nicht auf andere Geräte oder Anlagen übertragen werden.

22. Aktualität und Prüfung der Unterlagen

Hersteller können Dokumentationen, Firmwarestände, Sicherheitsinformationen, Produktfreigaben und zulässige Komponentenkombinationen ändern oder ergänzen.

Vor jeder Arbeit ist deshalb zu prüfen, ob für die vollständige Geräte-, Motor- und Anlagenkonfiguration neuere oder zusätzliche Herstellerinformationen vorliegen.

Das Datum dieser Seite bestätigt ausschließlich den redaktionellen Bearbeitungsstand dieser allgemeinen Übersicht. Es bestätigt nicht die Aktualität einer gerätespezifischen Herstellerdokumentation und stellt keine Prüfung eines konkreten Antriebssystems dar.

Maßgeblich bleiben immer die vollständige Systemidentifikation, die für jede konkrete Komponente gültigen Herstellerunterlagen, die Maschinen- und Sicherheitsdokumentation, die anlagenbezogene Gefährdungsbeurteilung sowie die am Einsatzort geltenden Vorschriften.